Full text: St. Ingberter Anzeiger

die linke Hand oberhalb des Gelenkes abgefahren 
wurde. Der Verunglückte wurde mit dem nächsten 
Zuge nach Zweibrücken in ärztliche Behandlung ver⸗ 
—XRE — 
— Ueber einen bereits am 22. Juli in Zwei- 
brücken vorgekommenen Postdiebstahl, über welchen 
sich die dortigen Blätter und Korrespondenten bis⸗ 
her Schweigen auferlegt hatten, wird jetzt Folgendes 
berichtet: Am Postschalter wurde ein Werthbrief 
bon 4000 Mark aufgegeben, der auf eine bis heute 
noch unaufgeklärte Weise verschwunden ist. Als 
die erwartete Sendung nicht eintraf, wurde die 
Sendung reklamirt und dadurch erst wurde man 
beim Postamte darauf aufmerksam, daß der Brief mit 
der aus Papiergeld bestehenden Baarsendung nicht 
zur Expedition gelangt war. Nun wurde die Sache 
der Staatsanwaltschaft angezeigt, es erfolgte Haus⸗ 
suchung bei dem Beamten, welchem die Eintragung 
des Beltrages im Postbuche oblag, aber erfolglos. Auch 
mußte derselbe vom Dienste suspendirt werden. Bei 
der Beschaffenheit des dortigen Postschalters liegt 
die Annahme nahe, daß ein vor demselben War⸗ 
tender sich in einem Augenblicke, wo er sich unbe⸗ 
obachtet sah, den Geldbrief angeeignet habe. Im 
Interesse des vorerwähnten Beamten wäre baldige 
Aufklärung dringend zu wünschen. 
— Kaiserslautern, 31. Juli. Die 
Austritts⸗Prüfungen an der k. Lehrerbildungsanstalt 
dahier gingen heute zu Ende. Von den 54 Schüleru 
des V. Curses, welche sich derselben unterzogen, 
erhielten 53 das Zeuchniß der Reife zum Uebertritt 
in die Schulpraxis. (Pf. Pr.) 
— Auf dem diesjäbrigen deutschen Freidenker⸗ 
Congreß in Stuttgart wurde beschlossen, den nächsten 
Congreß in Neustadt abzuhalten. 
— Wachenheim, 30. Juli. Es ist ein 
großes Glück für die hiesigen und angrenzenden 
Jagdene, daß durch die Behörden den Schlingen 
stellern energisch Einhalt gebboten wurde. Während 
der Abwesenheit betr. Wilddiebe bis heute wurden 
allein im hiesigen Vorderwalde 24 Schlingen auf— 
—X 
(10 Gaisen und 4 Böcke), außerdem noch zerrissene 
Schlingen. — Im Dürkheimer Staatswalde ist 
dieser Tage auch ein Wilddieb beim Schlingenstellen 
eingegangen und wird sicher gebührende Strafe 
erleiden. (D. A.) 
- Arzheim, 31. Juli. Gestern früh ftürzte 
sich die Ehefrau des Michael Gerstner aus Furcht 
bor ihrem betrunken heimkehrenden Mann, welcher 
ihr von der Straße aus Drohungen zurief von ihrer 
im 2. Stock gelegenen Wohnung berab, wobei sie 
sich schwere innere Veletzungen zuzog. — Dieser 
Tage wurde in Lingenfeld während der Arbeit 
auf dem Felde ein fleißiger und ehrsamer Mann 
im Alter von 68 Jahren Namens Chause von 
einem Sonnenstiche befallen und war sofort eine 
Leiche. (Cand. A.) 
— Spehyer, 1. August. Gestern Abend nach 
6 Uhr ertrank auf der hiefigen Schwimmschule im 
freien Rhein ein junger Mann Namens Karl Ernst 
Teutner, 22 Jahre alt, aus Zwickau. Derselbe 
reiste für die Firma Oito Thost dortselbst und hielt 
sich seit einigen Tagen hier auf. Zu bemerken 
wäre noch, daß das Auffichtspersonal auf der 
Schwimmschule durchaus keine Schuld trifft, denn 
die traurige Katastrophe wickelte sich so rasch ab, 
daß Hilfe absolut unmöglich war. 
— Ludwigshafen, 29. Juli. Ein in⸗ 
teressanter Fall wurde vor dem Forum des hiesigen 
Schöffengerichts verhandelt; ein hiesiger Metzger 
kaufte von einem auswärtigen Bauersmann ein 
fettes Rind nach dem Gewicht; es herrscht der 
Brauch, daß nachdem die Eingeweide herausge⸗ 
nommen und der Kopf weggetrennt ist, das Fleisch 
gewogen wird. Der betr. Metzger löste nicht nur 
den Kopf los, sondern sein Messer nahm zugleich 
auch drei Halswirbel des geschlachteten Thieres 
mit; infolge dessen lautete der Urtheilsspruch auf 
25 Mk. Geldstrafe und die Kosten. 
— Ludwigshafen a. Rh., 2. August. 
Die dritte Sitzung des Hauptausschusses der 10. 
pfälzischen Kreislehrerversammlung, welcher auch der 
Vorstand des Kreislehrervereins Herr Hildebrand 
und der Rechner Herr Krebs angewohnt haben, 
berieth über das Tragen von Festabzeichen, über 
Quartiere, Toaste, Eintrittsgeld zur Materialaus⸗ 
stellung (20 Pfg.), über spezielle Einladungen und 
über das Vergnügungs˖ Programm. Bei letzterem 
Punkt war es einstimmiger Beschluß der Versamm⸗ 
lung, den Besuch einer Theatervorstellung im Mann⸗ 
heimer Hoftheater als besondere Nummer einzuschal⸗ 
ten und den Vergnügungsausschuß zu beauftragen, 
gemeinĩam mit dem Musik-Ausschuß dei der Theater⸗ 
Intendantur sofort die geeigneten Schritte zu thun. 
Benn unseres Erachtens die Aufführung einer Oper 
am betreffenden Abend nicht unbedingt nothwendig 
ist, so wird die Einlegung eines schönen Schauspiels 
ächer allseitig mit Freuden begrüßt werden. Auf 
ꝛrmäßigte Preise wird kaum zu rechnen sein, werden 
ie aber dennoch genehmigt, dann wäre es um so 
jesser. Als weiterer nicht unwichtiger Beschluß ist 
zie Abhaltung eines offiziellen Festessens im Ge⸗ 
ellschaftshause, bei welchem die für den Vorabend 
zestimmt gewesene Musik tonzertiren wird, während 
am Vorabend selbst einige 4stimmige Männerchöre 
gesungen werden. Alles Nähere im seinerzeit er⸗ 
scheinenden offiziellen Festprogramm. 
— In diesen Tagen wird die Festschrift des 
historischen Vereinsder Pfalz zum 
Heidelberger Jubilaum die Presse verlassen. Be— 
anntlich hat hierzu der hohe Landrath der Pfalz 
zie Mittel bewilligt. Die in Quartform erscheinende 
Festschrift enthält auf 80 Seiten und 16 Tafeln 
ine Uebersicht über die Unternehmungen des histori⸗ 
chen Vereins innerhalb der letzten Jahre. Ohne 
Zweifel wird diese Festschrift ebenso dem historischen 
Zderein zur Ehre gereichen, als sie ein vollgültiges 
Zeugniß von dem Reichthum ausstellt, welchen der 
hoden der bayerischen Pfalz an monumentalen 
Frinnerungen der Vorzeit enthält. — Die Vereins⸗ 
nitglieder werden diese Festschrift im Laufe des 
derbstes zugestellt erhalten. 
Vermischtes. 
F Der „Kriegerverein von St. Arnual“ 
og am Sonntag unter dem Trommelwirbel seiner 
Zpielleute auf das Schlachtfeld von Spichern und 
chmüchte sämmtliche auf der Höhe befindlichen Denk⸗ 
näler, sowie die einzelnen Gräber der Gefallenen 
nit Kränzen und Guirlanden. 
F Ein betrübender Unglücksfall mit tödtlichem 
Ausgange ereignete sich vorige Woche auf der 
BZurbacher Hütte. Ein nahezu 50jähriger 
Arbeiter, Vater von 6 Kindern, seit 20 Jahren 
munterbrochen auf der Burbacher Hütte beschäftigt 
jerktoch sich zum Schutze gegen den Regen unter 
inen zum Abfahren bereitstehenden Kohlenwagen 
vährend die Maschine schon im Anfahren begriffen 
var und das Läutewerk bereits seit längerer Zeit 
die ankommende Lokomotive signalisirte. Der Ar⸗ 
zeiter wurde überfahren, so daß der Tod sofort 
intrat. Diesbezüglich hat der Generaldirektor der 
hütte verordnet, daß jeder Hüttenangehörige, wel⸗ 
her gegen die bekannten Unfall-Verhütungs⸗Vor⸗ 
chriften handelt, gleichviel ob bewußt oder unbe⸗ 
vußt, aufs strengste bestraft, bezw. entlassen wer⸗ 
den solle. 
F Trier, 31. Juli. Gestern find hier zwei 
Brüder Loeser von der Firma Loeser u. Komp., 
welche im vorigen Jahre fallirte, dann aber nach 
Abfindung der Gläubiger mit 12 Prozent die 
Schornsteine ihrer chemischen Fabrik wieder lustig 
cauchen ließ, als der Geschäftsbücherfälschung ver⸗ 
zächtig verhaftet worden. 
FStraßburg, 30. Juli. Bekanntlich hat 
nach längerem Prozessieren die kaiserliche Tabaks⸗ 
manufaktur in Straßburg ihr Fabrikzeichen „Die 
schwarze Hand“ verloren, da die Eintragung des⸗ 
elben nicht rechtzeitig erneuert wurde. Das Zen⸗ 
ralhandelsregister für das deutsche Reich enthält 
iun die neue Fabrikmarke. Dieselbe stellt in obalem 
Medaillonbild die Fabrikgebäude der Straßburger 
Tabaksmanufaktur aus der Vogelschau dar. 
fEine bedeutende Versteigerung findet am 
1. d. M. und den folgenden Tagen in der Villa 
Stramberg zu Rhens bei Coblenz statt. Es 
ommt daselbst mit dem Nachlasse der Frau v. 
Stramberg die werthvolle Bibliothek des Herrn 
Fhristophh v. Stramberg, des bekannten „Rheini- 
chen Antiquarius“, unter den Hammer. Sie ent⸗ 
jält eine große Anzahl von seltenen Werken und 
Nanuscripten zur Localgeschichte der Rheinlande. 
FMannheim. Die kleinsten Menschen 
der Welt, das Däumlings⸗-Ehepaar General Mite 
geboren in Amerika, in Chenango⸗County N.⸗Yy. 
im 6. Okt. 1864, Gewicht 9 Pfund) und Mis. 
Mite, geb. Millie Edwards (geb. im Staate Michi⸗ 
jan, am 1. Sept. 1867, Gewicht 7 Pfund) wer⸗ 
en sich nächsten Dienstag im hiesigen Saalbau 
yorstellen. Diese phänomenal kleinen Menschen 
jaben bereits in den illustresten Kreisen Europas 
Zutritt erhalten und ihre Vorstellungen haben in 
illen Großstädten berechtigtes Aufsehen erregt. 
— — 
F Beim Universitäts-Jubiläum in Heidel 
beginnt der Verzapf von Rupp ert dudehen 
Wein aus dem berühmten großen Fa tgei 
—28R* bw 
F Heidelberg, 31. Juli. Der Prof 
Dr. Georg Cohn hierselbst hat vom ae 
Ministerium unter glänzenden Bedingungen sn 
Ruf an die juristische Fakultät in Tokio In en 
F.„Alt Heidelberg, du feine.“ Carl Inn 
mann, der bekannte Componist zahlreicher dd 
nerchöre, hat gelegentlich der Heidelberger Jubel— 
das mit Recht als „das beliebteste Lied auf 
berg“ bezeichnete Gedicht, für Bariton d 
und dem Andenken seines Freundes J. 8 g 
Scheffel gewidmet. Dasselbe ist in schöner * 
tattung im Verlage von A Hasdenteufel (Donenn, 
Musikalienhandlung) in Mannheim erschienen * 
dürfte jedem Sänger als populare Festgabe wil 
ommen sein. 
F. Geidelberger Universitatz 
Ju bila um.) Das Schloßfest, welches Seilen 
der Regierung am Dienstag, 83. August d. J. fu 
eingeladene Personen veranstaltet wird, soll Seitn 
der Stadt am Donnerstag, den 5. August, gegen 
ein Eintrittsgeld von 50 Pfennig pro Person sut 
das Publikum wiederholt werden. Wir wollen nicht 
yerfehlen, auf diese durch das höchst dankenswerth⸗ 
Entgegenkommen der betheiligten Ministerien un 
der Großh. Domänendirektion herbeigeführte Ve— 
reicherung des Programms der Jubilaumsfestlich 
eiten rechtzeitig aufmerksam zu machen. 
FHeidelberg. Zahlreich sind zwar die 
Baben, welche aus den vecschiedensten Kreisen 
unserer Universität zu ihrem 500. Geburtsfeste zu— 
ließen, doch dürften sich wenige an Kostbarkeit mi 
denjenigen messen, welche die weltberühmten Verlage 
von F. A. Brockhaus und F. A. Perthes ihr durch 
Schenkung ihres gesammten Verlags in je einem 
Fxemplar zuwenden. Die Univerfitätsbibliothet 
erhält dadurch eine unschätzbare Bereicherung; ifl 
es doch allbekannt, welche Perlen jene Firmen u 
Tage fördern! 
FKarlsruhe, 2. August. Der Eisen— 
hahnkassier Wenniger hat 200,000 Mk. unter⸗ 
schlagen. Derselbe wurde verhaftet. 
FMainz, 30. Juli. Heute Mittag hatten 
wir eine eigenthümliche Erscheinung; in fast allen 
Straßen der Stadt, in der einen mehr, in der an— 
deren weniber, trieben sich Tausende von geflügel 
len Ameisen umher, so daß manches Mal die Klei 
der Straßenpafsanten dicht damit besäet waren 
Noch schlimmer war es vor der Stadt, zu Mil⸗ 
ionen trieben sich die Thiere da herum, bis gegen 
Abend war indessen keines mehr zu sehen. 
FeFrankfurt a. M., 31. Juli. Zum 
Jubildumsfest der Universität Heidelberg sind von 
hier aus von einem Restaurateur über 100 Kellner 
engagirt worden. 
— Der seit dem 1. Juli d. J. definitiv ins 
deben getretene BVerband deutscher Wein— 
Jändler, in welchen ungefähr 8300 große Firmen, 
Jarunter die allererften und größten Häuser, ein⸗ 
getreten find, wird seine Genetal-Versammlung im 
Oktober zu Frankfurt am Main abhalten. In den 
Zreisen des Verbandes herrscht übereinstimmend die 
Ansicht, daß das Gesetz vom 14. Mai 1879 (Vahr⸗ 
ungsmittelgesetzz in Bezug auf den Verkeht mit 
Wein Verbote enthält, deren Uebertretung objekiio 
nachzuweisen unmöglich ist, und daß hierdurch eine 
linficherheit in der Handhabung der Gesetze ent⸗ 
flanden, unter welchen der eigentliche Winzerstand 
und der reelle Weinhandel großen Schaden erleiden. 
Auf der Generalversammlung des Verbandes jollen 
VBorschläge zur Abhilfe gemacht werden. 
F Stuttgart, 31. Juli. Der Besiztzer eineb 
der renommiertesten hiesigen Hotels, des Hotel 
Marquardt: Wilhelm Marquardt ist vergangene 
Nacht in Baden⸗Vaden, wohin er sich vor du 
Wochen zur Erholung begeben hatte, im Altec bon 
78 Jahren gestorben. 
— 
nuf jeinem Landsitze bei Weilheim im 69. Lebenb⸗ 
sahre Herr Fraͤz Siligmäller. Dessen 
hestrenonnmrte Champagner⸗Kellerei (in Firma F 
A. Siligmüller) dahier hat Weseniliches durch die 
Vortreffuͤchkeit ihrer Produkte und solide Geschäfth, 
gebahrung zur Einführung deutschen Schaumweines 
gnicht nur in Deutschland selbst, sondern auch in 
RPußland, England, Südamerika, Australien ꝛc. ber 
getragen und damit den deutschen Schaumwenn 
nit immer besserem Erfolg in Conkurrenz mit 
remdlaändischen Erzeugnissen bringen helfen. Das