herter Amzeiger.
zugbherter
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Amtliches Organ des königl. Amtsgerichts St. Ingbert.
en „St. Ingberter Anzeiger erscheint wöchentlich fünfmal: Am Montag, Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag; 2mal wöchentlich mit Unterhaltungs⸗
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X 194.
Politische Uebersicht.
Deutsches Reich.
S. Maj. der König von Bayern hat sich
mder Nacht von Donnerstag auf Freitag von
zchloß Berg nach Herrenchimsee begeben. — Der
deutsche Kaiser kam am Freitag Morgen im
esten Wohlsein in Baden-Baden an, woselbst die
Jaiserin Augusta am Samstag ihren 71. Geburts—
q feierte.
Ueber die Eventualität einer Abkürzung der Ver⸗
gungsfrist des Reichstags ist, wie das „Verl.
gbl.“ hört, maßgebenden Orts eine Entscheidung
cch nicht getroffen. In den nächsten Tagen wird
ch der Minister v. Bötticher nach Varzin
egeben, und man wird erwarten dürfen, daß als⸗
ann über die parlamentarischen Dispositionen für
ie nächsten Monate Beschluß gefaßt wird.
Im Reichstag wird auch eine Interpellation
-cultze⸗Delitzsch zur Verhandlung kommen, dahin
erichtet, ob von der Regierung bereits die vorbe⸗
eitenden Schritte zur Reform des Genossenschafts-
gesetzes geschehen seien, wie vom Staatssecretär v.
zchelling im Anschluß an die Reform des Aktien—
vesens in Aussicht gestellt wurde. Da der Reichs⸗
ag indessen noch nicht in die Lage kommen wird,
ich mit letzterer zu befassen, so wird sich fragen,
nwie weit damit die Regelung des Genossen⸗
daftswesens hinausgeschoben wird.
Mit Bezug auf die preußischen Abgeord⸗
neienwahlen meldet der „Reichsanz“: Die Wahl der
Wahlmänner ist auf den 19. Oktober und die Wahl
der Abgeordneten auf den 26. Olktober festgesetzt.
Ausland.
In Italien folgt man mit großer Aufmerk—⸗
amkeit der Weiterentwidelung der Dinge in Nord⸗
ftila. Man ist der Meinung, daß England die
jelüste der Gambettisten, welche die Finanzkontrole
Egypten wiederherstellen mochten, ignoriren wird.
hher weiterblickende italienische Politiker mahnen die
tegierung zur Wachsamkeit auf einem anderen Ge⸗
iete. Die Crispische „Riforma“ äußert die Be—
würchtung, daß England den Franzosen ein Kom—
nsationsobjekt überlasse, während es in Egypten
„Ordnung wiederherstellt. Ganz in derselben
veise, wie nach dem russisch⸗türkischen Kriege Oester⸗
eich nach Bosnien, England nach Cypern, und Frank⸗
och nach Tunis ging, könnte jetzt nach dem Ein⸗
— in Kairo Frankreich sich nach Tripolis wenden.
daz Crispische Organ sieht darin mit Recht eine
hwere Schädigung Italiens, welches auf diese Weise
mer mehr von seinem natürlichen Einfluß an den
düsten des Mittelmeeres, wo italienische Kolonisat⸗
on und italienischer Handel Bedeutendes geleistet
atben, fortgedrängt wird. Der Warnungsruf, den
ispi vorden Wahlen an den Minister des Aeußern
htet, dürfte nicht ungehört verhallen.
Kleich der griechischen erhebt auch die nieder⸗
andische Regierung Ansprüche auf Sitz und
imme in der in Alexandrien zu etablirenden inter⸗
nionalen Entschädigungscommission. Van glaubt
diplomatischen Kreisen ähnlichen Reclamationen
ch von anderer Seite entgegensehen zu sollen und
eine rasche Beendigung der auf den Zusammen⸗
itt der Commission bezüglichen Unterbandlungen
aum wahrscheinlich.
London, 80. Sept. Das indische Contingent
D schon im Laufe der nächsten Woche Egypten
assen. Die Garde⸗Cavallerie und ein Theil der
eitenden Artillerie gehen Mitte October nach England
Montag, 2. Oktober 1882.
17. Jahrg.
zurück; einige weitere Infanterie-Regimenter am
22. Oktober und die Fußgarde Ende October.
General Wolseley selbst bleibt bis zur defiuitiven
Regelung der Verhältnisse mit einem Occupations⸗
Corps von 12,000 Mann.
Die Nachrichten aus Irland lauten im Ganzen
zünstig. Allerdings kommen noch Vergehen vor
sogar ein neuer Agrarmord wird gemeldet, doch
cheint sich dieser letzte Rest der verbrecherischen Be—
wegung auf einen ganz bestimmten eng begrenzten
Districk des Landes zu beschränken. In der Graf—
schaft Tiperary wurde der Pächter James Hickeh
bon Gurteen Maher bei Templemore in der Nähe
seines Hauses erm ordet. Die beiden Brüder
Tarolls, deren Land an das des Ermordeten an
zrenzt, wurden als der That verdächtig gefänglich
eingezogen. Sie sind kürzlich wegen Nichtbezahlung
hres Pachtzinses exmittirt worden und bald daraus
wegen eines Mordanfalles auf Hickey im Gefängniß
gewesen. Es ist nachgewiesen, daß sie dem Ge—
lödteten sehr feindlich gesinnt waren, weil dieser
den mit der Beaufsichtigung des Pachtgutes betrauten
Lentften Werkzeua gelieben haftte
alten mit Abriß dieser auf rund 84,000 M., bei
einer solchen auf dem Schwarz'schen Platze auf rund
53,000 M. und bei einer solchen auf dem Weigand'schen
Platze auf rund 38,000 M. Auf den Ruf aus
der Versammlung: Wo bleibt der große Flur? erklärte
Herr Sattler Fiack, daß auch über den Platz auf
dem großen Flur (Dreschmaschine) abgestimmt werden
solle, obgleich derselbe bei dem verlesenen Kosten—
anschlag außer Berechnung geblieben sei. Nach
einer kleinen Pause ergriff Herr Kaufmann Fischer
nochmals das Wort, um in längerer Ausführung
nach einem Rückblick auf die Entstehung des Kirchen⸗
bauvereins für die Erbauung einer zweiten kath.
Kirche und gegen den Ahriß der jetzigen und damit
gegen das Projekt, die neue Kirche hinter dieselbe
zu stellen, zu sprechen. Auch der J. Präsident,
derr Graffion, empfahl mit kurzen Worten die
ẽrbauung einer zweiten Kirche. Herr Fischer
vies hierauf unter dem Bravo der Versammlung
noch darauf hin, daß statuten gem äß der Kirchen⸗
bdau⸗Verein die Erbauung einer 2. Kirche anstreben
müsse und daß das Vermögen des Kirchenbau⸗
Vereins nach den Statuten nur zu diesem Zwecke
derwendet werden darf, jede andere Verwendung
der durch den Verein gesammelten Gelder sei sta—
iutenwidrig und darum unerlaubt. Als sich auf die be⸗
zügliche Aufforderung des Herrn Präsidenten Niemand
mehr zum Worte meldete, wurde zur Abstimmung ge⸗
chritten. Dieselbe erfolgte durch Kugeln und hatte das
iachstehende Resultat: 1) für den Platzhinterder
etzigen Kirche und damit für den Abriß der⸗
elben stimmten 9, dagegen 314 von 323 Abstim-
menden; 2) für den Schwarz'schen Platz auf
auf dem Hobels stimmien 218, dagegen 58 (276
Abst.); 3) für den Weigand'schen Platz auf
dem Hobels stimmten 81, dagegen 190 (271 Abst.)
9) für den Platz an der sog. Dreschmaschine
(großer Flur) stimmten 74, dagegen 184 (258
Abst. Die Wahl der Versammluug fiel
also mit großer Majorität auf den
aunter 2ZgenanntenSchwarz'schen Platz
neben Herrn Bernasko. Nachdem noch Herr
Fischer bekannt gegeben hatte, daß die in der
Stadt circulirten und an die kgl. Regierung
ind das bischöfliche Ordinariat gerichteten Listen
zegen den Abriß der jetzigen kath. Kirche bereits
aber 700 Unterschriften erhalten haben, schloß die
Versammlung, die im Ganzen einen ruhigen und
würdigen Verlauf genommen hatte, gegen 6 Uhr
mit einem von dem genannten Herrn ausgebrachten
hoch auf das fernere Wachsen und Gedeihen des
sirchenbau⸗Vereins.
St. Ingbert, 2. Oktober. Heute Morgen
jatte sich das Söhnchen eines hiesigen Bergmannes
sRamens Wegmann Pulbver, das sein Vater zum
Bebrauche bei der Arbeit aufbewahrte, zu verschaffen
gewußt. Mit noch einigen anderen Knaben ver—⸗
uchte er, auf dem mit Siroh besetzten Speicher der
elterlichen Wohnung ein Feuerwerk (sogen. Spautz⸗
männchen) anzubrennen. Da aber dasselbe nicht
nach Wunsch ausfiel, so begab sich die Gesellschaft
in die Wohnstube und warf das Pulver in den
Dfen. Durch die nun erfolgte Explosion wurde der
Knabe Wegmann so erheblich am Kopfe, besonders
im Gesichte, verbrannt, daß er in das städtische Hospital
verbracht werden mußte.
rx. St. Ingbert, 2. Oktober. („Der Jähr
kummt!“) Am Samstag Nachmittag kehrte ein
Mann von hier von der Mariannenthaler⸗-Glashütte
durch den Wald nach Hause zurück. Plötzlich hörte
er in seiner Nähe den änastlichen Ruf: „Der Jähr
Lotkale und vfälzische Nachrichten.
* St. Ingbert, 2. Oktober. Die gestern
Nachmittag im Café Oberhauser stattgehabte außer⸗
ordentliche Generalversammlung des
Kirchenbau-Vereins behufs Abstimmung über
den Bauplatz der neuen Kirche war jo stark besucht,
daß der große und geräumige Saal die Theilnehmer
nicht alle fassen konnte. Zur festgesetzten Zeit, kurz
nach 4 Uhr, eröffnete der J. Präsident, Herr Adj.
Graffion, die Versammlung und ertheilte zunächs
herrn Kaufmann Fischer das Wort zur Bericht⸗
erstattung über die Erhebungen in Bezug auf die
projettirien Bauplätze. Derselbe wies zuvorderst
darauf hin, wie sich der Ausschuß in seiner Sitzung
dom 6. Sept. nicht für competent gehalten habe,
in dieser wichtigen Angelegenheit (zu Gunsten des
einen oder des andern Platzes) abzustimmen; wie
er vielmehr zu diesem Behufe die heutige General⸗
versammlung einberufen habe, um durch dieselbe
die allgemeine Stimmung in Bezug auf die pro⸗
ektirten Bauplätze zum Ausdrucke kommen zu lassen.
Das Resultat der Abstimmung werde sowohl der
kgl. Regierung wie dem bischöflichen Ordinariate
in Vorlage gebracht werden. Drei Plätze kaͤmen
in Frage: a) der Platz hinter der alten Kirche
Schwarz'schen und Dorr'schen Wiesen), b) das
Schwarz'sche Anwesen auf dem Hobels neben Hrn.
Bernasko, c) das A. Weigand'sche Anwesen auf
dem Hobels. Zur näheren Informirung über die
Billigkeit der einzelnen Plätze verlas nun Herr
Fischer einen von Herrn Architekten Schöberl in
Speyer angefertigten Kostenanschlag über Erdar⸗
beiten, Fundirung und Ausmauerung bis zum Fuß⸗
boden der neuen Kirche. Die projektirte Kirche
soll etwa 4000 Personen fassen und 70 Meter
lang und 27 Meter breit werden und betragen
die Ausgaben für die oben genannten Arbeiten
nach der Schöberl'schen Berechnung bei einem Neu—
hau auf Platz a 67,690 Mark, auf Platz b
29525 Mark und auf Platz e 25355 M. Hierzu
tommen noch die Kosten für Grund- und Boden—
erwerbung, welche bei dem ersten Platze etwa 16300
M., bei dem zweiten etwa 24000 M. und bei dem
hritten etwa 12000 M. betragen. Es würden sich
ohin die Ausgaben für Erd-, Fundirungs- und
Ausmauerungsarbeiten bis zum Sockel inklusive
HJodenerwerb stellen bei einer Kirche hinter der