Full text: St. Ingberter Anzeiger

grigeß Mädchen bei. Mit lebhaftester Spannung 
sse sie dem Laufe der Handlung. Als im 
Iten Akte die gefangene Jungfrau mit den 
vrten: „So sei mir Gott gnäodig!“ ihre Fesseln 
eißt und dinauseilt, springt das Alles um sich 
ergessende Mädchen in die Höhe. klatscht in 
Hande und ruft in reinem weimarischen Dialekt 
Nin die athemlose Stille hinein: „Dal da 
diersche gehabt!“ — Uad noch, ein zweites Stück 
neuerer Zeit sei dem Verfasser nacherzahlt. 
r Professor Martin hatte zu seiner Hochzeit nicht 
niger als fieben silberne Fischkellen geschenkt 
en. Wenn er später selbst ein Angebinde zur 
schzeit darzubcingen hatte, schenkte er mit hart⸗ 
naiger Bosheit eine Fischkell. So hatte er auch 
Braut in einer befreurdeten Familie eine blank 
putzte gesandt. Sie lag mit seiner Karte bei den 
deien Herrlichkeiten und wurde wie diese aufge⸗ 
inmen und betrachtet. Als Martin sich in der 
Gellschaft unterhielt, bemerkte er, daß zwei junge 
nen in das Geschenkzimmer gingen, feine Fisch— 
aufsuchten, sie genau betrtachteten und leise 
cherten. Sie kehrten in den Saal zurück, flüsterten 
deren Damen etwas zu, und diese wanderten 
xnfalls in das Zimmer, betrachteten auch die 
aschkelle und kamen mit mühsam verhaltenem 
chen zurück. Rasch brach Martin das Gespräch 
d trat ins Nebenzimmer und ergriff seine Spende. 
za sah er zu seinem Schrecken, daß auf der breiten 
— 
inmtlichen Hebammen in Jena.“ 
pParis, 4. Nod. General Castelnau 
geslorben. (General Castelnau ist einer der 
enigen Getreuen, welche bis zuletzt hbei Kaiser 
dapoleon III. ausgehalten haben. Zuerst tauchte 
General 1866 in der Oacffentlichkeit auf, als 
Nepoleon darauf aukam, die französischen Trup 
n aus Mexico früher zurückzuziehen, als er dem 
aglücklichen Kaiser Max milian verspcochen hatie. 
astelnau, Adjutont des Kaisers, traf im Oktober 
366 mit der Aufgabe in Mex sco ein, den Adzug 
er französischen Truppen zu bewirken, der denn 
uch Anfang des neuen Jahres bewirkt wurde. 
astelnau wurde darauf zum Divisionsgeneral be— 
udett. Im Kriege von 1870 war ser bis zum 
»chlug immer um die Person des Kaisers, hat 
en Kapitulationsverhandiungen von Sedan mit 
zneral Wimpffen zusammen heigewohnt und 
queßlich den Kaiser in die Gefangenschaft nach 
vithelmshöhe begleitet. Im Maärz des Jahres 
371 reiste General Castelnau nach Berlin, um 
uus der Hand Kaiser Wilhelms den Degen Napoleons 
mrückzuempfangen. Nach dem Kriege hat der 
zʒeneral als Privarmann in Frankreich gelebt. 
der Verstorbene hatte ein Alter von 76 Jahren 
rreicht.) 
Aerztliche Honorare. Wie schlecht 
uuch die Ziten sein mögen — ein Professor oder 
in Arzt von Renommöée pflegt doch nicht daruntec 
u leiden, und es gibt eine Reihe von Aerzten von 
zenen jeder über ein glänzendes Einkommen ver⸗ 
uͤgt. Am g änzendsten stellen sich die ärztlichen 
donorate wohl in London, wo eine Bezahlung 
on vier Guineen für eine aärztliche Visite wohl 
ichts Ungewöhnliches ist. Man erinnert sich viel 
eicht noch daran, daß Mackenzie zur Zeit, als sein 
deme en vogue uud auf Aller Lippen war, in 
ondon einen solchen Zulauf hatte, daß sein täg⸗ 
ches Einkommen damals von eingeweihten Per⸗ 
nen auf 5000 Mark geschätzt wurde. Unter den 
rutschen Aerzten gehöten jetzt wohl Schweninger 
ind Metzger zu denjenigen, welche die größten Ein⸗ 
ahmen haben. Von Mezger erzählt man, daß er 
glich über 1000 Mark Honorar erhalte, er berech ⸗ 
iet jede Konsultation auf 50 Mark, jede Massage 
n der Dauet von drei bis fünf Minuten — und er 
nacht deren zirka dreißig täglich — mit 20 Mark; 
iderdies wird jedem Patienten als Miethe für den 
Rassirsaal 10 Mark wöoͤchentlich angerechnet. Aus⸗ 
närtige Konsultationen lehnt Matzger grundsätzlich 
d. und als ihn kürzlich der Großherzog von Hessen 
egraphisch berief und es ihm überließ, die Höhe 
s Honorars selbst zu bestimmen, telegraphirte 
Petzger lakonisch zurüch: „Bin jeden Vormittag in 
temer Ordination-zanstalt zu sprechen.“ ... Wahr⸗ 
aft patriarchalisch nimmt sich dem gegenüber aus, 
aas die Patienten erzählen, die den Pfarrer Kneipp 
on Wöorishofen konsultirten. Ein Freund des „N. 
Viener Tabl.“ der in der letzten Ziit mehrere 
Wochen bei Pfarrer Kneipp verdrachte, theilt 
nit, daß die große Mehrzahl der Wörishofener Pa- 
ienten gar kein Honarar hbezablt und daß die höch⸗ 
se Summe, welche der Pfarrer nach beendeler Kur 
ich bezahlen läzt — 8 Mark betraägt. Kürzlich war 
in junger, amerikanischer Millionär, ein immens 
eicher Mann, in Woͤrishofen beim Pfarrer, der 
hn mehrere Wochen persönlich behandelte. Als der 
imerikaner sich empfahl, wünschte er !ein Honorar 
u erlegen. Auf seine diesbezüglich Frage antwortete 
er Pfarrer: „Nix san S' schuldig.“ In diesem 
Augenblicke raunte einer der Gehilfen des Pfarrers 
iesem ins Ohr wer der Patient sei. A amerika⸗ 
rischer Millionär san S'?“ sagte der Pfarrer — 
aut, zahl'n S' fünf Mark.“ Der Amerikaner legte 
opfschuͤftelnd hen Fünfmarksch in hin und aina. 
Volks⸗GLandwirtschaftliches. 
Das Direktorium der Deutschen Reichs— 
»ant erläßt eine Bekanntmachung, der wir folgen 
des entnehmen: Für die Aufbewahrung und Ver⸗ 
valtung von Werthpapieren bdei der Reichs haupt⸗ 
ank ist vom 1. Januar 1891 ab für das Jahr 
ine Gebuühr von 2/, vom Tausend, dei im Aus 
and ausgestellten Papieren von *4 vom Tausend 
also 30 dezw. 75 Pfq. fur je angefangene 
000 Mtk. des Nennwerthes der Papiere — min— 
)estens aber 1 Mk. für jden Depoischein zu ent˖ 
ichten. Dagegen wird von demselben Z· upunkt 
ib für die Einziehung der Zinsscheine am Sitz 
iner Zweigansialt der Reichsbank, sowie für das 
stachsehen der Verloosungslisten und der Bekanni⸗ 
nachung üder die Kündigung und Konveriirung 
er Papiere eine besondere Gebühr nicht mehr er- 
oben. Die Herausgabe von Zins- und Gewinn- 
intheilsscheinen zur Selbsteinziehung findet vom 1. 
Fanuar 1891 ab nur noch dei im Au⸗land aus⸗ 
Jestellien Papieren statt, sofern dies bei der Nieder⸗ 
egung der Papiexe ausdrücklich beantragt worden 
ste Die Besorgung neuer Zins und Gewinnan 
heilsscheine erfolgt seitens der Reichsbank nur 
jann, wenn die betreffende Anweisung (Talon) mit 
hen Papieren deponirt ist oder die Adhebung gegen 
Borzeigung der Papiere selbst erfolgen kann. Für 
die schon bvor dem 31. Dezember l. J. niederge⸗ 
legten Werthpapiere tritt die Veründerung der Ge⸗ 
ühten erst mit dem im Lauf des Jahres 1891 
— — Im 
Ichbeigen finden die vorstehenden Bestimmungen auch 
nuf die vereits bestehenden Debots aleichmaͤßige 
Inwendung. 
Gemeinnutziges. 
Pergamentpapier im Haushalt. In der Haus⸗ 
virtschaft bedient man sich jtzt sehr häufig des 
Bergamentpapieres und beautzi dasselbe als Ersatz 
er tierischen Blase beim Verpackhen von Chotolade, 
Fleischsp isen, Konsewwen und beim Ueber⸗ und Ver⸗ 
inden von Flaschen und Einmachbüchsen, die zur 
Zersendung und Aufbewahrung von Früchten, 
Zirupen, Senf ⁊c. bestimmt sind. Dabdei hat sich 
rgeben, daß das Pergamentpapier seinen Zweck 
»ouständig erfüllt und die bisher benutzte Blase 
ibertrifft an Billigkeit, Dauer und Sauberkeit. Es 
pird dasselbe durch kochendes Wasser nicht ver—⸗ 
indert, fault nicht, wird nicht von Inselten ange- 
zriffen und ist gegen Saure widerstandsfähig; 
ierische Blase dagegen und Wachspupier werden 
urch viele Substanzen angegriffen, v. räudert und 
erstört, oder sie geben an die mit ihnen in Be⸗ 
uührung kommenden festen und flusfigen Koͤrper 
ingesundes Fett, bezw. Wachs ab. Vor dem Ge— 
xauche wird das Pergamentpapier wie die Blase 
uerst angefeuchtet und dann über das zu ver—⸗ 
hließende Gefäß gespannt und festgebunden. Es 
hmiegt sich jeder Form an und ist nach dem 
Trockgen ebenso dicht und straff, wie die Blase. 
Zzweckmäßig erweist sich, den Rand von den Ge⸗ 
aͤßen, die man anfüllt und aufbewahren will, vor 
em Verbinden mit Pergamentpapier mit etwas 
Fett oder Paraffin zu bestreichen; dann wird der 
Zerschluß doppelt dicht und dauerhaft. Bezüglich 
ses Preises sei bemerkt, daß man das Meter schon 
Dn 10 Pfa. an kauft. 
dDienstesnachrichten. 
Prot. Kultus. Die prot. Pfarrstelle zu 
Zuirnbach, Dek. Kusel, wurde dem Kandidaten 
x5. Müller aus Eppstein, B.⸗ A. Frankentha!, ver⸗ 
seben. 
RNeueste Rachrichten. 
Lyon, 4. Nov. In Folge einer Insultirung 
dos Polizeikommissärs in einer am Samslog vom 
—XVVV abgehal⸗ 
tenen Versammlung leitete der Gerichtshof eine 
Untersuchung ein und stellte eine ausgedehnte an a re 
Hhäistische Bewegung fest. Funf Anarchisten 
wurden verhaftet, weitere Verhaftungen stehen 
hevor. 
Fur die Redaltion verantwortlich: F. X. Demeß. 
Reklamen. 
Seiden sose ee oeisu. sarbige) v. 
93 Pige. bis 18.008 p. Met. — dlatt, 
gestreifi u gemustert (ca. 380 versch. Qual. u. 
2500 versch. Farben) — vers. roben⸗ u. slüd⸗ 
weise poride u, zollfiei das Fabrik- Déͤpot G. 
Ddenueberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster 
Imgehend Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 
* * 
Wer zu Heiserkeit neigt 
und doch genöthigt ist, bei rauhem Wetier auszu⸗ 
Jehen, versäume nicht, während des Aufenthalis im 
Freien eine der bewährten Fay's Sodener 
Htineral⸗Pastillen (in alen Apotheken und 
Droguen die Schach el à 85 Pig. erhältlich) lang⸗ 
am“im Munde zergehen zu losfen. Katarrhalischen 
Affektionen wird daducch vorgebeugt. 
Das bevorstehende Weihnachisfest drängt die 
Fliern wiederum zur Wadhl passender Spielzeuge 
ur die lieben Kleinen. Ganz eigenartig tritt zu 
weilen das kindliche Verlangen auf, je nachdem es 
m allerlei merkwürdigen Träumen seine Warzel 
zat, und die Eltern haben oft ihte liebe Not, jolche 
Zegierden in die rechte Bahn zu lenken. Man 
in das Kind in seinem Schaffen und Denken 
chon frühzeitig, wie man auch das Baͤumchen 
wingt, den stütz nden Stab entlang zu wachsen. 
Dies wird am besten erreicht, wenn man dasselde 
nit geeigneten Lehrmitteln umgibt, die ihm nicht 
allein eine angenehme Unterhaltung, sondern auch 
zie Förderung seiner geistigen Thaätigkeit gewahren 
danen. Hierher gebört vor allen Dingen ein mit 
»ädagogischem Geschick ausgewähltes Spielzeug. 
Zünsiletische Sp eimittel verfallen in der Regel 
sehr rasch dem natürlichen Trieb des Umschaff us, 
der fälschücherweise von vielen Zerstörungswut ge; 
zannt wird. Eckt dann, wenn ein Gegeustand sich 
n Trümmern aufgelöst, ist er meist ein rich iges 
Zpielzeug, das fich nach Herzenslust formen und 
neallerlei Metamorphosen dringen läßt. Das in 
Jer Form fertige kann das Kind nie lange fesseln, 
vogegen lose Teile bis zu ihrer vollständigen Auf- 
osung Beadtung finden. 
Diese Erfahrung sollte bei Auswahl der Cqrist· 
Jescheuke von seiten der Eitern nie außer Acht ge⸗ 
assen werden, wenn dieselben nicht Gefahr laufen 
pollen, die mit vielen Opfern erstandenen Spiel⸗ 
sachen von ihren Kleinen undeachtet zu sehen. Das 
hütztichtee und unftreitig beste Spielgerät ist wol 
er Auker Steinbaukasten. Man sehe nur, wie 
ie kleinen Hande mit wahrer Begierde in den 
Steinen wühlen und nimmer satt werden, Brucken, 
Denkmäler, Häuser, Kirchen usw. in alien nur erte 
denklichen Siylen erstehen zu lassen! Gern wird 
nan alle anderen ungüitzen Sachen zu kaufen unter— 
lassen und seine Mittel diesem zuwenden. Dem 
Richterschen Anker Stein baukasten 
Jebührt das weitgehendste Lob, er ist gar nicht 
senug zu empfehlen! Die schweren, versch eden 
jefärbten Quadern geben den Bauten wunschens⸗ 
perte Festigkeit und ein außerst gefalliges Aussehen. 
Durch leicht nachzuschaffende Ergänzungskasten, 
ie sich bezüglich ihres Inhaltes eiweiternd an 
Fie kleineren Nummern anreihen, ist es mößzlich, selbst 
wolfjahrigen Kindern eine fesselnde Uaterhaltung und 
reiche Quelle nützlicher Beschaftiaung an die Hand zu 
Jeben. Wit sahen sogar Erwachsene sich an Bauten 
zeteiligen oder doch ohne Ermüden zusehen! — 
Zoffentlich finden fich recht viele Eltern durch diese 
Zeilen veranlaßt, gewiß das beste aller Spielmittel 
den Richterschen Anker⸗-Steinbaukasten —, 
velcher zum Preise von 1 — 10 Mark und hoͤher 
n allen Spielwarengeschäften vorräthia ist, — unter 
den Weihnachtsdaum zu stiellen. Die Freude der 
Zleinen wird sie üder die Sorge um die Kosten 
leicht hinwegsetzen.